Die Anfänge von Kork

Römer, Kelten, Alemannen und Franken in unserer Heimat

Über die geschichtlichen Ereignisse im Hanauerland vor der Zeitenwende wissen wir sehr wenig. Erst mit dem Eintreffen der Römer am Oberrhein lichtet sich etwas das Dunkel der Geschichte. Im Jahre 12 v. Chr. ließ Drusus in Argentoratum, dem heutigen Straßburg, ein befestigtes Lager errichten, das ein Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen wurde. Argentoratum wurde später der Ausgangspunkt für die rechtsrheinische römische Eroberungen. Der römische Kaiser Vespasian begann 79 n. Chr. mit dem Bau strategischer Straßen in der Ortenau und holte die achte Legion (VIII. legio Augusta) nach Straßburg, die als Stammregiment bis zum Einbruch der Alemannen die Ortenau kontrollierte. Der Limes sicherte die „Agri decumates“, das Zehntland zwischen Oberrhein und der oberen Donau, gegen die germanischen Stämme ab. Der römische Kaiser ließ das Dekumatland vermessen und gab es zur Besiedlung durch Kelten (Gallier) frei. In seiner „Germania“ weist der römische Schriftsteller Tacitus ausdrücklich darauf hin, dass er die Bewohner des Zehntlandes nicht zu den Germanen rechnet.

Die Kelten machten wohl als erste einen Teil unseres von Sümpfen und Wäldern bedeckten Landes urbar; nach der römischen Feldvermessung wurde das Dekumatsland der keltischen Bevölkerung in Pacht gegeben. Die keltischen Pächter unterstanden römischen Verwaltern, die oft Legionsveteranen waren. Die gallo-römische Bevölkerung kannte bereits steinerne Häuser und baute Wein und Obst an. Viele gallo-römische Begriffe, die den Hausbau, aber auch den Wein- und Obstanbau betreffen, sind in unserer Sprache eingegangen wie z.B. Mauer, Fenster, Keller, Pforte, Ziegel, Wein, Winzer, Presse, Flasche, Pfirsich, Kirsche Kohl. Grabungsfunde in der Korker Dorfkirche und im Gewann „Oberfeld“ deuten darauf hin, dass Kork (kelt. Curcum – Kurkium) als keltische Niederlassung entstanden ist.

Im Jahre 259 n. Chr. griff der germanische Stamm der Alemannen den Limes an, eroberte das Dekumatland und richtete dort große Zerstörung an. Sie siedelten sich im Elsass und in der Rheinebene bis zu den Vorbergen des Schwarzwaldes an. Der Kampf zwischen Alemannen und Franken um das römische Erbe wurde 496 n. Chr. In einer Schlacht zu Gunsten der Franken entschieden. Der Frankenkönig Clodwig, welcher der Sage nach gelobt hatte, sich im Falle eines Sieges taufen zu lassen, trat zum Christentum über. Gregor von Tours, der Chronist Clodwigs erwähnte in seinen „Zehnt Bücher Geschichten“ zum ersten Mal den Namen Strateburgum (Straßburg). Die Alemannen verloren ihren Besitz nördlich der Murg und gerieten ganz unter fränkische Herrschaft. Aber immer wieder versuchten die alemannischen Herzöge, das fränkische Joch abzustreifen. 746 wurde der alemannische Adel zum Gerichtstag nach Cannstatt bestellt, dort gefangen genommen und hingerichtet. Der Widerstand der Alemannen war damit endgültig gebrochen und das Alemannische Gebiet wurde in das Frankenreich integriert. Das fränkische Element vermischte sich im Hanauerland mit dem alemannischen. An Stelle der alemannischen Herzöge übernahmen fränkische Grafen die Macht und die Ortenau (bis ins 16. Jahrhundert Mortenau genannt) wurde fränkisches Krongut.Der Gau Ortenau wurde in mehrere Marken aufgeteilt, von denen eine die Korker Mark war. Deren Mittelpunkt war der „Bühl“, eine Versammlungs- und Gerichtsstätte.

Archäologische Funde belegen das Alter des Dorfes

Das die Gegend von Kork schon sehr früh besiedelt war, beweisen die Funde von Steinbeilen und einiger Werkzeuge aus der Steinzeit; 1938 wurde beim Westwallbau auf Korker Gemarkung ein Feuersteindolch von 19 cm Länge gefunden, der dem Material nach aus Mitelfranken stammt. Ein Bronzebeil, zwei Schwertklingen und einige 20 cm lange Nadeln, die in unseren Baggerseen gefunden wurden, belegen die Anwesenheit von Menschen während der Bronzezeit (2200 – 800 v. Chr.). Die Mitte des Haufendorfs Kork nimmt der „Zirkel“ , eine kreisförmige Straße, von der die meisten Dorfstraßen ausgehen. Bei diesem Zirkel könnte es sich um einen ehemaligen keltischen Ringwall handeln.

Aus einem frühkeltischen Frauengrab in Bodersweier stammen zwei Fußringe aus gesipptem Bronzeblech, zwei Bronzearmringe und ein reich verzierter Scheibenhalsring (vorrömische Eisenzeit 800 – 50 v. Chr.). Bei einer Feldbegehung um 1980 wurden auf einem Acker im Korker Gewann „Oberfeld“ römische Scherben gefunden. In der Folgezeit, wenn es der Bewuchs und die Bodenverhältnisse zuließen, haben Mitarbeiter des archäologischen Arbeitskreises diese Fundstellen abgesucht. Im Laufe der Jahre hat sich ein „Scherbenhaufen“ von mehreren tausend Fundstücken von Fingernagel- bis Handgröße angesammelt, die der Arbeitskreis zeitlich einzuordnen versucht hat.

Es gilt als gesichert, dass im Gewann „Oberfeld“ zuerst eine kleine römische Siedlung bestand. Ganz in der Nähe, auf der Neumühler Gemarkung „Kornfeld“, brachte der Pflug Bruchstücke von Ziegelstempeln der VIII. Legion und den Kopf einer römischen Götterfigur an die Oberfläche, auf dem Korker Bühl wurde unter dem Chor der Dorfkirche römische Leistenziegel gefunden.

Einige spärliche Funde wie zwei keramische Gefäße (so genannte Röhrenausgußkannen) aus der Merowingerzeit (482 – 751 n. Chr.) die aus einem alten Schöpfbrunnen in Kork (Zirkel 2) geborgen wurden, lassen vermuten, dass sich hier auch alemannisch- fränkische Siedler niedergelassen hatten. Mit Sicherheit kann eine Besiedlung in der Karolingerzeit (751 – 919 n. Chr.) nachgewiesen werden. Aus dieser Zeit finden sich Reste von gelben, auf der Drehscheibe hergestellten Gefäßen, die rundum mit einem Rollstempel verziert wurden. Noch besser und zahlreicher sind Funde aus dem 12. und 13. Jahrhundert vertreten. Während in der Römerzeit die Dächer aus Leistenziegeln bestanden, waren im Mittelalter die Gebäude mit Hohlziegeln (Mönch und Nonne) gedeckt, deren Reste vielfach auf der Ackeroberfläche zu finden sind. Dort wurden auch Reste von Becher- und Napfkacheln gefunden, die in Lehmkuppelöfen, den Vorgängern unserer Kachelöfen, gebrannt wurden.

Aus dem 14. Oder 15. Jahrhundert stammt auch das vier Zentimeter große Bruchstück einer kleinen Madonnenstatue aus Ton. Wissenschaftler sind sich nicht sicher, ob die Statuette ein Kinderspielzeug darstellt oder eine Andachtsfigur war. Das „Oberfeld“ könnte durchgehend bis ins 15. Jahrhundert besiedelt gewesen sein, was aber noch durch eine wissenschaftliche Untersuchung nachgewiesen werden muss.

Der Name Kork

Kork liegt auf den Niederterrassen im Oberrheingraben zwischen Rhein und Schwarzwald. Da die Niederterrassen relativ sicher vor Überschwemmungen ist und fruchtbare Böden besitzt, liegen auf ihr alte Siedlungen wie Kork. Die ersten in Urkunden festgehaltenen Namen von Kork sind Chorkera und Corkhe (778). Der Korker Heimatforscher Wilhelm Gräßlin führte den Namen Kork auf das englische Wort „church“ (Kirche) zurück, da hier irische Mönche missionierten und die Einwohner stets „Kerker“ (Kercher) und nicht Korker genannt wurden. Analog zu den gallorömischen Siedlungen Appiacum (Epfig) und Mutiacum (Mutzig) kommt der elsässische Heimatforscher Médard Barth zu dem Schluss, dass der ursprüngliche Name von Kork Curciacum war. Die gallorömische Entstehung der Siedlung Kork, auf die auch das Suffix „-acum“ hinweist, wird durch Funde römischer Leistenziegel in der Dorfkirche und Tonscherbenfunde aus der römischen und keltischen Zeit im Gewann „Oberfeld“ erhärtet.

Auf Anfrage nach der Bedeutung des Namens der südirischen Stadt Cork schrieb das städtische Museum Cork, dass die im 6. Jahrhundert gegründete keltische Ansiedlung Corcach trug. Im modernen Gälisch, das noch heute in der Gegend gesprochen wird, heißt die Stadt Corcaigh, was so viel wie Sumpf- oder Marschlandschaft heißt. Diese Erklährung ist insofern aufschlußreich, als auch in unserer Gegend ein Geflecht aus Bächen und Rhein- und Kinzigarmen bildet, welche Wälder und Ried- und Sumpfgebiete umschlossen. Außer den oben erwähnten Namensformen finden wir in späteren Urkunden für Kork die Bezeichnungen Chorcho (1007), Kork (1275), Korkg (1311), Korcke (1480) und Korckh (1561).

Der Korker Bühl

Vielleicht einer der schönsten Plätze im Hanauerland ist der von Fachwerkhäusern umrahmte Korker Bühl neben der evangelischen Dorfkirche. Das Wort Bühl kommt vom Mittelhochdeutschen „buhel“ (Buckel) und bezeichnet eine leichte Bodenerhebung. Der Bühl ist die Urzelle unseres Dorfes und war seit der fränkischen Zeit der Mittelpunkt der Korker Mark; auf ihm wurde dreimal jährlich unter der Eiche eine Gerichtssitzung abgehalten. Vom späten Mittelalter bis 1796 fand hier im Mai das Waldgericht statt, das Waldfrevler verurteilte. Das letzte Todesurteil eines Strafgerichts wurde am 17. November 1802 auf dem Bühl ausgesprochen, aber nicht hier vollstreckt. Den Mittelpunkt des Korker Bühls bildete der Bühlhof, der eine Freistätte war, die flüchtenden Straftätern Asyl gewährte. Um den Korker Hof herum lagen sieben Meierhöfe, die „Bühlbauernhöfe“. Die Bühlbauern hatten bestimmte Rechte und Pflichten in der Gemeinde, die im Korker Waldbrief schriftlich festgelegt waren. Der Korker Hof dürfte sich auf dem Gelände der alten Schule und der alten Sparkasse (Auf dem Bühl 1 und 3) befunden haben.

Die Lage der ehemaligen Bühlbauernhöfe ist bis heute durch die den Bühl umgebenden Häuser bekannt: ehem. Gasthaus „Krone“, Gasthaus „Grüner Baum“, Teile der alten Landschreiberei und die Häuser Auf dem Bühl 2,6,10 u. 14. Der Korker Bühl war früher viel größer, wurde aber vor 200 Jahren dadurch verengt, dass Allmendgelände des Bühl von der Gemeinde als Baugelände an wohlhabende Bürger verkauft wurde.

Die Ersterwähnung von Kork und der Kirche

Während in Straßburg bereits im 4. Jahrhundert Bischof Amandus in den Regesten aufgeführt wurde, fehlen uns jegliche schriftlichen Zeugnisse über die Anfänge der Christianisierung in der Ortenau. Nach der Eingliederung in das fränkisch- merowingische Reich dürfte das Bistum Straßburg im 6. Jahrhundert zum Ausgangspunkt der Christianisierung der Ortenu geworden sein. Im 7. Jahrhundert kamen irische Glaubensboten wie Friedolin und Landolin an den Oberrhein, um die Alemannen zu bekehren. Die Gründung der Klöster Honau, Schuttern, Schwarzach und Ettenheimmünster dienten der Festigung des christlichen Glaubens, aber auch der Kontrolle und der Durchdringung der alemannischen Bevölkerung durch die neuen fränkischen Herren. Die fränkischen Adligen förderten die Christianisierung um die Alemannen leichter ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Im Elsass und in der Ortenau fiel dem fränkischen Adelsgeschlecht der Etichonen eine wichtige Rolle zu Pfarreien entstanden im frühen Mittelalter dadurch, dass fränkische Grundherren auf ihren Ländereien Eigenkirchen gründeten.Sie unterhielten die Kirchengebäude und durften die Hausgeistlichen und die Pfarrer der ihnen unterstehenden Dörfer selbst bestimmen. Oft nahmen sie einen Mann aus ihrer Familie oder der Gefolgschaft, der die geistlichen Aufgaben wahrnahm.Bei der Korker Kirche dürfte es sich um eine adlige Eigenkirche der Etichonen handeln, deren Gründung in die Zeit der Christianisierung fiel und wohl eine der ältesten Kirchen in der Ortenau ist. Sie war dem fränkischen Nationalheiligen Dionysus unterstellt. Médard Barth nannte die Korker Pfarrei wegen ihres hohen Alters und der großen Ausdehnung bis Legelshurst, Sand und Hausgereut eine Urpfarrei. Kork und seine Kirche wurden im Testament des Straßburger Bischofs Remigius 778 n. Chr. urkundlich zum ersten Mal erwähnt.

770 hatte Remigius, der vom Adelsgeschlecht der Etichonen abstammte, auf der Illinsel Eschau ein Frauenkloster gegründet und die Abteikirche dem heiligen Trophim geweiht. Von einer Reise nach Rom brachte er sieben Jahre später die Reliquien der heiligen Sophia mit, die Papst Hadrian ihm geschenkt hatte. Am 15. März 778 vermachte er seiner Bischofskirche (Marienkirche) in Straßburg testamentarisch die Illinsel, das Kloster Eschau (Hascovia) sowie Grundbesitz im Elsass und in der Ortenau.

Das Testament wurde später durch eine zweite Urkunde ergänzt, in welcher die Gründung und die Wiederherstellung des Klosters Eschau durch den Bischof Widerhold nach dem Ungarneinfall aufgeführt wurde. Aus dieser entnehmen wir, dass es in Kork schon zur Zeit Karls des Großen eine Pfarrkirche und den "Korker Hof" gab. Die Äbtissin des Klosters Eschau besaß das Patronatsrecht über die Korker Kirche. 

Die Lichtenberger in Kork

In der Mite des 13. Jahrhunderts wurde erstmals die Burg Lichtenberg im Unterelsass erwähnt, die der Dynastie der Lichtenberger ihren Namen gab. Der Aufstieg des hochadeligen Geschlechts und der Ausbau seines Territoriums rechts und links des Rheins waren eng mit dem Bistum Straßburg verbunden. Seit 1249 waren mehrere Lichtenberer Vögte des Hochstifts Straßburg. Dieses wichtige Amt, das die Verwaltung und die Polizei einschloss, verschaffte ihnen großes Ansehen. Von 1273 bis 1365 gelang es drei Lichtenbergern, selbst Bischof von Straßburg zu werden. Besonders die reichspolitisch für das Haus Habsburg tätigen Bischöfe Konrad III. (1273 – 1299) und Friedrich I. (1299 – 1305) sicherten aus Erwerbungen des Hochstifts für ihre FamilienLehen rechts und links des Rheins.

Wittumbriefe

In Kork wurden die Lichtenberger erstmals erwähnt, als am 23. April 1295 Bischof Konrad III. beurkundete, dass sein Neffe Johann von Lichtenberg seiner Gattin Adelheid von Werdenburg einen Wittumsbrief über 1600 Mark Silber Straßburger Gewichts ausstellte. Bis zur Auszahlung übertrug ihr Johann von Lichtenberg die Nutzung von Kork und den anderen 16 rechtsrheinischen Dörfern die er vom Straßburger Bischof als Lehen erhalten hatte. Bischof Konrad III. war ein kunstliebender und streitbarer Kirchenfürst. Er setzte den Bau des Münsters fort und legte 1276 den Grundstein zur Westfassade des Straßburger Münsters. Beim Versuch, mit 1200 Soldaten seinem Schwager bei einer Fehde mit der Stadt Freiburg beizustehen, wurde er 1299 bei Betzenhausen von einem Metzger erstochen. Er wurde im Straßburger Münster beigesetzt, wo heute noch in der Johanneskapelle sein Grabmahl steht. Kork wurde urkundlich wieder erwähnt, als Johann II. von Lichtenberg, genannt Hanemann, 1314 dem Jakob von Staufenberg Leibeigene aus Kork abkaufte. Hanemann heiratete 1318 Jutta, die Tochter des Grafen von Leiningen und stellte auch ihr, wie es damals üblich war, einen Wittumbrief über 800 Mark Silber auf das Lehen Willstätt mit den Dörfern Hundsfeld, Neumühl, Auenheim und Kork aus. „Wir Hanemann herre von Lichtemberg tunt kunt allen … und widement mit disem gegenwurtigen brieve vor Jenaten von Liningen, unserme ehlichen wibe, achtehundert mark silbers … uf den dörfern, die hie nach geschriben stant, daz sint Willstette, Hunersvelt, Korg, Owenheim und zu der Nuwenmüle …“ Mit dem Wittumsbrief erhielt Jutta, die Ehefrau des Johannes von Lichtenberg die Versicherung, dass ihr nach dem Tod ihres Ehemannes mit Kork als Pfand 800 Mark Silber ausbezahlt werden.

Kork wird verpfändet

Als Folge der Misswirtschaft und Verschwendungssucht Hanemanns übernahm sein Sohn Heinrich III. eine große Schuldenlast und musste 1372 Willstätt und Kork mit allen Rechten für 3200 Pfund Straßburger Pfennige an den Ritter Johann Wintertur, genannt Knobloch, Fritsche Mueler und Johann Lumbart verpfänden. Ludwig III. von Lichtenberg, genannt Ludemann, dem ein Teil des Amtes Lichtenau gehörte, war ein streitbarer Herr, der viele Fehden unternahm. Er führte sich wie ein Raubritter auf und plünderte Schiffe von Kaufleuten aus. Auch er geriet in große Geldschwierigkeiten und verpfändete desshalb 1399 seine Hälfte an Burg und Stadt Lichtenau gegen 600 Gulden an die Stadt Straßburg und schloss mit ihr einen Burgfrieden. Am Ende der Verpfändungsurkunde sind die Namen der vereidigten Zeugen aus den Ämtern Lichtenau und Willstätt eingetragen. Nach Lumbarts Rechtsstreit um die Beeth (Pacht) werden erstmals die Namen mehrerer Korker Bürger dokumentiert: Heintzo, Zinkenheintze, Kulenlawelin, Juntenhenselin und Sifermanns. Bei der Erneuerung des Burgfriedens 1440 waren die Korker Hans von dem Lande, Heintze Heyden, Fuhs, Kleinlawelin, Heintze und Kryeg Geschworene und wurden 1474 durch Hameler, Übrüch und Müll ergänzt. Während einer Fehde wurde Ludemann IV. von dem Grafen von Saarbrücken gefangengenommen und erst nach Zahlung eines Lösegeldes durch seinen Schwiegervater Markgraf von Badenfrei gelassen. Dafür musste er dem Markgrafen die Dörfer der Ämter Lichtenau und Willstätt und somit auch Kork mit allen Einkünften auf 10 Jahre verpfänden. Ludemann war immer verschuldetund brauchte viel Geld. 1417 bestrafte ihn der Bischof mit einem Sühnegeld, weil es Zölle einzog, die dem Kloster Schwarzach zustanden. Als er das Sühnegeld nicht bezahlte und der Ladung vor das Konzil zu Konstanz (1414 – 1418) nicht folgte, belegte ihn der Papst mit dem Bann. Nach dem Tod Ludemanns traten seine Söhne Ludwig V. und Jakob die Erbfolge an. Jakob erhielt Buchsweiler, die dazugehörigen Dörfer im Elsass und das Amt Willstätt. Er führte die Mißwirtschaft seines Vaters weiter und machte große Schulden. Jahrelang focht er Fehden mit den Geroldseckern aus und musste immer wieder Geld aufnehmen.

Jakob von Lichtenberg erhält die Grafenwürde

Aber bei Kaiser Friedrich III. stand Graf Jakob in hohem Ansehen. 1442 erhielt er das Lehensrecht auf die Zölle, die auf der Kinzig und auf dem Rhein bei Grauelsbaum für die Handelswaren erhoben wurden und 1449 sicherte ihm Kaiser Friedrich III. in einem „Freiheitsbrief“ zu, dass er „wegen seiner Verdienste für das Reich von niemandem, welchen Standes er auch sei, vor Gericht geladen werden dürfe, sondern nur vor den Kaiser“. Anlässlich eines Besuches in Straßburg, wo er im Lichtenberger Hof abstieg, erhob der Kaiser 1458 Jakob in den Grafenstand.

Graf Jakob klagt vor dem Gericht Kork Grundstücke ein

Graf Jakob von Lichtenberg erschien 1467 vor dem Gericht Kork und erhob Anspruch auf mehrere Matten auf Korker Gemarkung, die den Straßburger Familien Lumbart und Zorn und dem Karthäuserkloster gehörten. Es geht aus keiner Urkunde hervor, worauf sich die Forderung des Grafen stützte Grundstücke in den Gewannen Schuttersbühl, Spitelmatt, Heidenried, Schutterloch, Lumbartsloch u.a. vom Straßburger Bischof als Lehen erhalten zu haben. Zu drei vom Korker Schultheiß und Gericht angesetzten Sitzungen unter der Gerichtslaube schickte der Rat der Stadt Straßburg keinen Vertreter. Das Gericht Kork gab zunächst dem Landesherrn Graf Jakob Recht, widerrief aber sechs Wochen später das Urteil. Denn Kork wollte es auf keinen Fall mit der freies Reichsstatt Straßburg verderben. Der Rat der Stadt Straßburg hatte kurz vor der zweiten Sitzung des Gerichts Kork geschrieben, dass nur das Gericht Straßburg für alle Angelegenheiten seiner Bürger zuständig sei. Außerdem habe man in Straßburg Briefe des Hofgerichts Rottweil gefunden, wonach Kork und seine Bürger in der Reichsacht stünden, also rechtlos seien. Deshalb verlange der Rat der Stadt dem Gericht Straßburg die Rechtsprechung zu überlassen.

Verbietsbrief

Die Anspielung auf die „Acht“ bezog sich darauf, dass Graf Jakob von Lichtenberg nach verlorenem Prozess von dem Hofgericht zu Rottweil mehrfach in die Reichsacht gestellt worden war. Das Hofgericht hatte an die Stadt Straßburg mehrere „Verbietsbriefe“ geschrieben, in denen den Einwohnern von Straßburg verboten wurde, den Untertanen des Grafen aus Neumühl, Willstätt und Kork Nahrung und Herberge zu geben.

Die Lichtenberger sterben aus

Mit dem Tod Jakobs starb das Geschlecht der Lichtenberger in der männlichen Linie aus. Die Nichte des letzten Lichtenbergers, Anna und Else, erbten das Land. Else heiratete Simon Wecker IV. von Zweibrücken-Bitsch, Anna den Grafen Philipp I. von Hanau. Mit ihm gelangte der Name Hanau vom Main zu uns und Philipp nannte sich von nun an Graf zu Hanau-Lichtenberg.